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30.09.2018  02:00
Wie sich der Idlib-Deal auf den Syrien-Krieg auswirkt
Der in Pakistan lebende Journalist Salman Rafi Sheikh untersucht die Auswirkungen des Idlib-Deals auf den Syrien-Krieg. - Durch den Idlib-Deal zwischen Russland und der Türkei wurde nicht nur die Krise entschärft, er hat auch die Einflussnahme der USA in Syrien auf Null reduziert. Das wird besonders deutlich, wenn wir ihn mit einer ähnlichen Vereinbarung vergleichen, die 2016 in Aleppo zustande kam;... [Quelle: luftpost-kl.de] JWD
 

 Von Salman Rafi Sheikh | Quelle: New Eastern Outlook | Übersetzung: Luftpost-KL | 21.09.2018

... damals waren auch die USA daran beteiligt und saßen mit den Russen an einem Tisch. Dass der Idlib-Deal ohne Beteiligung der USA geschlossen wurde, zeigt, wie stark der Einfluss der USA in der Endphase des Syrien-Krieges und in der gesamten Region zurückgegangen ist. Idlib ist die letzte Zuflucht der Terroristen in Syrien, und weil die USA dort nicht mehr mitmischen können, werden sie auch zum Ausgang des Krieges, den sie vor sechs Jahren anzetteln ließen, wenig zu sagen haben.

 


Screenshot |  Quelle: Luftpost-KL

  Grafik entnommen aus https://www.quora.com/What-will-happen-to-3- million-civilians-in-Idlib-Will-Russia-make-a-deal- with-Turkey

Die USA sind auch deshalb in Syrien gescheitert, weil sie zu zögerlich waren, ihr eigenes militärisches Engagement möglichst gering halten wollten und ihre Ziele mit (islamistischen) Hilfstruppen durchzusetzen versuchten; das Eingreifen russischer Streitkräfte in Syrien war zweifellos der entscheidende Faktor – nicht nur für den Sieg über die "Rebellen", sondern auch für die Eindämmung des US-Einflusses in diesem Land.

Der Deal beinhaltet auch den endgültigen Abzug aller vom Ausland finanzierten "Rebellen", die mehrheitlich die Bodentruppen bildeten, die den "Sturz Assads" durchsetzen sollten. Erdogan hat bestätigt, gemeinsam mit Russland dafür sorgen zu wollen, "dass radikale Gruppierungen in dem relevanten Gebiet nicht länger agieren können".

Wenn westliche Politanalysten meinen, wie so viele Deals in der Vergangenheit werde auch dieser Deal scheitern, übersehen sie, dass die Verbindungen zwischen Russland und der Türkei viel enger geworden sind und die Vereinbarung deshalb halten könnte. Die Türkei und Russland haben ihre Handelskontakte ausgeweitet und ihre diplomatischen Beziehungen so verbessert, dass Russland sogar den ersten Kernreaktor der Türkei bauen wird. Obendrein haben sich die Beziehungen der Türkei zu den USA und zu den EU- Staaten als nicht tragfähig genug bei der Durchsetzung türkischer Interessen in Syrien und anderswo erwiesen.

Für die USA bedeutet der Deal, dass es jetzt nicht mehr zu einer militärischen Eskalation kommen kann. Deshalb ist es auch nicht mehr möglich, mit einem (von den "Rebellen" inszenierten und dann der syrischen Armee angelasteten) Giftgasanschlag einen weiteren US-Raketenangriff (oder NATO-Luftangriffe auch mit deutscher Beteiligung) auf Syrien zu rechtfertigen; mit einer solchen Eskalation wollten sich die USA wieder Zutritt zu den in Sotschi und Astana begonnenen Verhandlungen verschaffen (..hier). Wie es derzeit aussieht, haben die USA nun auch die Chance vertan, sich längerfristig in (besetzten Regionen in) Syrien festsetzen zu können.

Durch diesen Deal wurde außerdem die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und der Türkei oder zwischen der Türkei und Syrien signifikant reduziert. Russland ist es nicht nur gelungen, die Türkei im Syrien-Krieg auf seine Seite zu ziehen, es konnte auch den in Sotschi und Astana begonnenen Prozess in Gang halten. Damit hat Russland gleichzeitig erreicht, dass es für die Türkei keinerlei Gründe gibt, ihre Beziehungen zum Westen unbedingt wieder "normalisieren" zu müssen.

Dass man an Sotschi und Astana angeknüpft hat, zeigt sich auch daran, dass die Vereinbarung als "Sotschi-Deal" bezeichnet wurde, und dass der Iran, der andere Partner Russlands, den Deal als großen diplomatischen Erfolg feierte. Die Fortsetzung dieser Prozesse ist für Russland sehr wichtig, nicht nur, weil Russland mit seinen diplomatischen Bemühungen einen entscheidenden Vorsprung vor seinen westlichen Konkurrenten erzielt hat, sondern weil dieser Deal auch die weitere Präsenz Russlands in Syrien rechtfertigt und eine Verständigung mit der Türkei und anderen Staaten wie Israel unter Wahrung syrischer und russischer Interessen möglich macht.

Der Deal wurde auch von Staaten wie Deutschland begrüßt und wird sogar von den Vereinten Nationen unterstützt. Russland hat auch dann nichts zu verlieren, wenn der Deal scheitern sollte, weil er der Türkei die größere Last aufbürdet. Sie muss sich nämlich mit den "Rebellen" auseinandersetzen.

Russland hat Syrien bereits dazu gebracht, sich zurückzuhalten; es bleibt abzuwarten, ob es auch der Türkei gelingen wird, die bewaffneten oppositionellen Gruppierungen, zu denen auch islamistische Radikale von der früheren Al-Nusra-Front, die sich jetzt Tahrir Al-Sham nennt, zum Rückzug aus der Provinz (Idlib) zu bewegen. Wenn die Türkei das nicht schafft und sich zu einem Militäreinsatz gegen die Radikalen gezwungen sieht, muss sie mit Russland zusammenarbeiten, weil sie dann die russische Zustimmung zum Einsatz türkischer Kampfflugzeuge im syrischen Luftraum braucht. Beim türkischen Angriff auf Afrin (..hier) hat Russland zunächst seine Zustimmung erteilt, sie dann aber wieder zurückgezogen.

Die Türkei muss Rebellen und Radikale durch Verhandlungen oder mit militärischer Gewalt dazu bringen, Idlib aufzugeben. Wenn ihr das gelingt, wird die Rückkehr Idlibs unter syrische Kontrolle relativ friedlich verlaufen: Sollte die Türkei scheitern, wird sie kaum einen neuen Deal fordern können. Sie wird es dann den syrischen und russischen Streitkräften überlassen müssen, Idlib mit militärischen Mitteln zurückzuerobern.

Salman Rafi Sheikh liefert Analysen zu Internationalen Beziehungen und zur Innen- und Außenpolitik Pakistans – exklusiv für die Online-Magazin "New Easten Outlook".

(Wir (Luftpost-KL) haben den wichtigen Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. Weitere Infos über den Autor sind nachzulesen
..hier . Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)
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Link zum englischen Originaltext bei ' luftpost-kl.de' ..hier


Anmerkung: In Anbetracht der Tragweite dieser Vereinbarung, sowie dem praktizierten Staatsterrorismus von Israel nebst  verbündeter Westmaffia, passt die folgende Meldung durchaus ins Bild:


28.09.2018 [Quelle: Sputniknews / Swobodnaja Pressa]
Il-20-Abschuss:
War Assad das eigentliche Ziel israelischer F-16?

Eine andere als die offizielle Erklärung des Vorfalls mit dem russischen Seefernaufklärer Il-20 ist in den russischen Medien kaum zu hören. Alle scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass das Unglück eine „Verkettung tragischer Zufälle“ war, wie Präsident Putin es sagte. Ein anderer möglicher Grund kam bisher überhaupt nicht zur Sprache.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die wahre Ursache für das Unglück mit dem russischen Aufklärer vor der syrischen Küste von allen beteiligten Regierungen verheimlicht wird. Und vor allem von Tel-Aviv.

Die offizielle Version lässt ja viele Fragen offen. Die russische Il-20 sei von der syrischen Luftabwehr unbeabsichtigt abgeschossen worden, weil in dem Gebiet israelische Kampfjets unvermittelt aufgetaucht seien, heißt es. Sie seien das eigentliche Ziel der syrischen Abwehrraketen gewesen.

Aber die Frage ist doch, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Seit 2015 besteht zwischen Russland und Israel ein spezieller Kommunikationskanal, damit die russische und die israelische Luftwaffe ihr jeweiliges Vorgehen im syrischen Luftraum koordinieren können.

Bis zu dem Unglücksfall hat diese Verbindung auch gut gehalten: In den drei zurückliegenden Jahren hat die israelische Luftwaffe die russischen Streitkräfte selbst über Aufklärungsflüge informiert – und zwar immer rechtzeitig.

Warum dieses vielfach erprobte Verfahren am 17. September plötzlich nicht funktioniert haben soll, hat bislang niemand erklärt.

Außerdem kursieren Informationen, wonach an dem Tag keine Einrichtungen auf syrischem Boden durch einen israelischen Luftangriff zerstört worden seien. Was schon sehr merkwürdig ist, weil die israelischen Kampfjets nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ausschließlich Präzisionswaffen eingesetzt haben sollen.

Wofür waren die smarten Bomben dann bestimmt? Eine Antwort darauf könnte eine Version geben, die im Iran verbreitet wird.

Demnach soll der syrische Präsident Baschar al-Assad am 17. September das Ziel der israelischen Luftwaffe in Syrien gewesen sein. An dem Tag war das Staatsoberhaupt auf dem Weg von Damaskus zur russischen Basis Hmeimim, um nach Moskau ausgeflogen zu werden.

Die Israelis sollen also ein Attentat auf den syrischen Präsidenten geflogen haben. Medien aus Nahost berichteten gar, an jenem Tag seien israelische Kampfflugzeuge unweit des Präsidentenpalastes in Damaskus gesichtet worden.

Wenn dem so ist, dann wird vieles klar. Auch, warum die Israelis die russische Luftwaffe zum ersten Mal seit Jahren nicht rechtzeitig, sondern erst Sekunden vorher über den geplanten Angriff informiert haben: Sie wollten den russischen Kräften keine Zeit lassen, Assad aus dem Gefahrenbereich in Sicherheit zu bringen.

Klar wird dadurch auch, warum Israel bislang immer noch keine einleuchtende Erklärung für das Verhalten seiner Luftwaffe vor der syrischen Küste gegeben hat: Wie soll man auch der ganzen Welt vermitteln, Jagd auf den legitimen Präsidenten eines souveränen Staates gemacht zu haben?

Bewiesen ist diese Version bisher noch nicht. Logischer als die offizielle Erklärung erscheint sie aber allemal. Und: Dass israelische Politiker vorher schon erklärt hatten, ein Anschlag auf Baschar Assad sei durchaus denkbar, ist jedenfalls eine Tatsache.

„Wenn Syriens Präsident Baschar Assad den Iranern weiterhin erlaubt, von Syrien aus gegen Israel vorzugehen, wird Israel ihn beseitigen und sein Regime stürzen“, sagte etwa Israels Energie- und Wasserversorgungsminister Yuval Steinitz – übrigens ehemaliger Chef des israelischen Geheimdienstministeriums – im Mai dieses Jahres. [...]

Weiterlesen im Originaltext bei ' Sputniknews ' ..hier
 


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17.09.2018  01:00
Idlib: Al-Qaidas letzte Zuflucht
Der durch seine geopolitischen Recherchen bekannt gewordene US-Autor Tony Cartalucci analysiert die Situation im syrischen Gouvernement Idlib und die davon ausgehende Kriegsgefahr. - Die USA haben die Spannungen im andauernden Syrien-Konflikt noch einmal verschärft und Damaskus erneut gedroht – in Form einer "Warnung" vor der Rückeroberung des im Norden Syriens gelegenen Gouvernements Idlib. Die USA haben Assad beschuldigt, aus diesem Grund einen Giftgasangriff auf die Stadt Idlib vorzubereiten [..hier]...  [Quelle: luftpost-kl.de] JWD  ..weiterlesen
 

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